Adrian Goiginger dominiert Vergabe der Österreichischen Filmpreise mit "Die beste aller Welten"

01. Februar 2018

Fünf Auszeichnungen nahm der Salzburger Adrian Goiginger für "Die beste aller Welten" vom Österreichischen Filmpreis mit

Bester Film! Beste Regie! Bestes Drehbuch! Beste Hauptdarstellerin, und beste Nebenrolle: Schöner hätte der Österreichische Filmpreis für Adrian Goigingers "Die beste aller Welten" kaum ausfallen können, mit neun Nominierungen. Gleich viele Preise hat nur Barbara Alberts Historienporträt "Licht" errungen, in dem es um die blinde Pianistin Maria Theresia Paradis geht.
Ein Filmwunder
Die Geschichte von "Die beste aller Welten" ist ein Filmwunder: "Die beste aller Welten" ist das Spielfilmdebüt des 26-jährigen Salzburgers, den vor einem knappen Jahr, vor der Berlinale-Premiere seines Films, noch kaum jemand kannte. Es ist die Geschichte seiner eigenen Kindheit als Sohn einer heroinsüchtigen, liebevollen Mutter (gespielt von der Pongauerin Verena Altenberger). Ein autobiografisches Debüt, eine Drogengeschichte, und noch dazu in Salzburger Mundart - auf dem Papier wirkt das wie der reinste Horror für jeden Marketingstrategen: Wie soll ein Film, der so sehr nach Tristesse klingt, Publikum finden?Goiginger aber hat sein Publikum im Sturm erobert, denn sein Film erzählt von der ganz großen Liebe, und nicht dem Schmerz, entgegen allen Erwartungen, und mit einer entwaffnenden Glaubwürdigkeit, die echtes Gefühl an die Stelle von Sentimentalität setzt.
Preise fast schon eine Routine
Für Goiginger ebenso wie für Altenberger sind Preisverleihungen inzwischen schon fast Routine, doch die fünf Hauptpreise, die Mittwochabend auf Schloss Grafenegg vergeben wurden, haben besondere Bedeutung: Nicht Kritikerinnen, keine Jury, sondern die Filmschaffenden selbst haben damit einen der Ihren ausgezeichnet, einen, der einen ganz direkten Weg für sein Debüt gewählt hat, noch während des Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg und aus dem eigenen Erlebten heraus - und doch mit einer geradezu kühnen Distanz, die nur echtem erzählerischen Talent gelingt.
Enge Zusammenarbeit im Team
Wie eng geknüpft auch die Zusammenarbeit des Teams war, zeigte sich vergangene Woche beim "Abend der Nominierten" der österreichischen Filmakademie: Michael Pink, der Darsteller des Drogendealers im Film, erzählte da von der Schwierigkeit, mit dem St. Johanner Schüler Jeremy Miliker auf Distanz zu bleiben, denn in einer Szene musste er den Buben vor der Kamera einschüchtern. "Danach sind wir gemeinsam in die Garderobe gegangen und ich hab gesagt: ,Jetzt box mich, ganz fest … box alles weg, was Angst macht!'", sagte Michael Pink sichtlich bewegt.
Adrian Goiginger musste darum kämpfen, den Film in Mundart drehen zu dürfen. Dass dies honoriert wird, spricht dafür, dem Publikum auch weniger stromlinienförmiges Kino zuzutrauen, mehr zu wagen. Kritik, Branche und Publikum sind sich bei diesem Film so einig wie selten: Insgesamt sahen den Film in Salzburg bisher 32.000 Besucherinnen und Besucher. In ganz Österreich gingen bisher 80.000 Menschen ins Kino. Und obwohl der Film hierzulande einen gewissen Regionalbonus genießt, funktioniert er auf der ganzen Welt, auch mit Untertitelung. Internationale Kritiken und Publikumspreise beweisen das.SN/ORF
Glücksfall für Salzburger Kino
Ein Glücksfall ist dieser Film auch für das Salzburger Filmkulturzentrum Das Kino. "Kein Film war bei uns jemals so erfolgreich, hatte in so kurzer Zeit so viel Besucher", sagt Das-Kino-Geschäftsführerin Renate Wurm. Sie hatte den Film bei der Premiere bei der Berlinale im vergangenen Februar gesehen. "Das war sofort mein Film des Jahres", sagte sie. Nichts anfangen kann auch sie mit der gern gebrauchten Definition "Drogenfilm". Vielmehr sei "Die beste aller Welten" ein Film "über ein schwieriges Familiengefüge, eine Mutter-Sohn-Beziehung, der alles hat, was ein guter Film braucht". "Man kann weinen und lachen, man sieht vom Kinosessel aus nicht nur zu, was auf der Leinwand passiert, man kann es spüren", sagt Wurm. Und die Nachfrage nach dem Film reißt nicht ab. In den kommenden Wochen wird es in Das Kino drei Vorstellungen geben, bei denen Goiginger und Hauptdarstellerin Verena Altenberger zu Gast sein werden. "Die Anfragen für Karten für diese Aufführungen sind nach wie vor enorm", sagt Wurm und lacht: "Es fühlt sich an, als hätten wir mit diesem Film dauernd Premierenvorstellungen."
Doku-Preis für "Untitled"
Der dritt-meistausgezeichnete Film des Abends ist "Untitled", der letzte Film des 2014 verstorbenen Michael Glawogger, bei dem seine langjährige Mitarbeiterin Monika Willi die Regie übernommen hatte: Als bester Dokumentarfilm, für Willis Schnitt, Musik und Ton. Es ist der würdige Abschied einer Branche für ein widerständiges Mitglied.

Kino: Sondervorstellungen "Die beste aller Welten" im Salzburger Filmkulturzentrum Das Kino: 3. Februar, 13. Februar und 28. Februar. Adrian Goiginger wird immer dabei sein. Hauptdarstellerin Verena Altenberger ist am 13. Februar dabei.
Quelle: SN, 1.2.2018