Frauen können Gewinnerinnen der Digitalisierung sein

16. Januar 2017

Frauen sind mitunter die Ersten, die eine Krise trifft. Aber sie sind auch die Ersten, die die Kohlen aus dem Feuer holen.

Müssen Unternehmen so tief greifend umgebaut werden wie jetzt, dann ist "business as usual" eine schlechte Idee. Vielleicht ist das ein Grund, warum gerade in jenen Unternehmen, die die Herausforderungen der Digitalisierung am frühesten erkannt haben, auffällig viele Frauen ins Top-Management kommen: Die Österreich-Niederlassungen der internationalen IT-Unternehmen Xerox, IBM und Microsoft werden inzwischen von Frauen geleitet.
Im Telekom-Sektor mischen Frauen ganz oben mit: Europas größtes Unternehmen in diesem Bereich, die Deutsche Telekom, hat im Vorstand die Physikerin Claudia Nemat mit der Mammutaufgabe betraut, sich um die Zusammenführung von IT und Netzwerk-Infrastrukturen zu kümmern und Innovationen voranzutreiben. Auch die Telekom Austria hat sich mit der gebürtigen Italienerin Elisabetta Castiglioni eine Frau als Leiterin der neuen Einheit "Digital Business" geholt. Mit Margarete Schramböck als CEO ist auch bei der Mobilfunktochter A1 das Führungsteam weiblich geworden: Fünf von acht Mitgliedern sind dort Frauen.

Der Schluss liegt nahe, dass gerade jetzt Frauen gebraucht werden, weil es gilt die Kohlen aus dem Feuer holen: In der gesamten Wirtschaft gibt es keine einzige Zone mehr, von der man annehmen könnte, sie bliebe in den nächsten Jahren frei von Digitalisierung. Vom Produktionssektor bis hinein in jeden Winkel der Dienstleistung, überall spielt eine Rolle, dass alles mit allem vernetzt wird und damit anders gedacht werden muss.
Markt-, Branchen- und Unternehmensgrenzen verschwimmen und als ob das nicht schon Chaos und Verunsicherung genug produzieren würde, muss betriebsintern auch plötzlich abteilungsübergreifend gedacht werden. Frauen, von früh an als Multitasker trainiert, die stets mehrere und oft auch bunte Bälle in der Luft halten, sind mitunter offener für Veränderung als Männer. Gut möglich, dass deshalb sogar in klassischen Männerbranchen Frauen die Digitalisierung vorantreiben: Bei der Mercedes-Mutter Daimler ist seit wenigen Monaten mit Sabine Scheunert eine Frau für digitale Kommunikation und IT im Marketing und Vertrieb und damit für wichtige Zukunftsprojekte wie die Kundenplattform Mercedes Me zuständig.

Es gibt zwar noch immer einen eklatanten Mangel von Frauen in den technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildungen und Berufen und, um bei der Wahrheit zu bleiben, auch die Frauenquoten im Top-Management sind eine Schande. Dennoch zeigen die Beispiele, dass Frauen enorm viel Digitalkompetenz haben. Also, Frauen: Traut euch endlich!

Quelle: Salzburger Nachrichten, Gertraud Leimüller, 12.01.2017,